Jugendliche in der Politik? Das geht!

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Den Beweis dafür lieferten vom 11.06 bis zum 13.06.2015 237 Jugendliche, die an der Politik interessiert sind und sich als Jugend-Landtagsabgeordnete beworben hatten. Die Jugendlichen im Alter von 16 bis 20 Jahren haben an diesen drei Tagen je eine*n echte*n Abgeordnete*n vertreten, oft die-/denjenigen aus ihrem Wahlkreis. Zusammengesetzt war es genau wie im „echten“ Landtag nämlich aus SPD (99 Sitze), CDU (68 Sitze), Bündnis90/Die Grüne (29 Sitze), FDP (22 Sitze) und den Piraten (19 Sitze).

Sie beschäftigten sich an diesen Tagen genauso wie die echten Abgeordneten mit Wahlen, Fraktions- und Ausschusssitzungen um sich auf das Plenum vom Samstag den 13. Juni vorzubereiten. Neu an diesem Jugendlandtag war, dass die jungen Abgeordneten erstmals die Themen selbst aussuchen konnten, indem sie vorher für vorgeschlagene Themen stimmen konnten. Vom Jugend-Landtag beschlossen wurden jeweils mit Mehrheit die Anträge „Die Vergabe von Studienplätzen gerechter gestalten“ und „Mehr fürs Leben/den Alltag in der Schule lernen“.

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Im ersten Antrag ging es um die Vergabe von Studienplätzen. Im Mittelpunkt standen der Numerus Clausus (NC) und die Frage, ob andere Auswahlkriterien möglicherweise geeigneter sind. Der NC habe keine Zukunft, erklärte Filip Fischer (18, Mülheim) für die SPD. Bei der Studienplatzvergabe müssten soziale Kompetenzen stärker berücksichtigt werden. Arian Aghashahi (17, Hamm) empfahl als CDU-Sprecher eine Kombination aus Durchschnittsnote und Eignungstest. Dieses Modell müsste allerdings an einigen Hochschulen zunächst getestet werden. Der Numerus Clausus sei wie ein „Türsteher“, der nur oberflächliche Aspekte berücksichtige, sagte Antonio Delle Donne (17, Bonn) für die GRÜNEN. Er empfahl ein Punktesystem, das Schulnoten und soziales Engagement einbeziehe. Der NC müsse nicht komplett abgeschafft werden, erklärte Tim Kniepkamp (18, Bielefeld) für die FDP. Immerhin sei er ein „Anreiz zu schulischer Leistung“. Gleichwohl seien auch Sozialkompetenzen wichtig und mehr Freiräume für die Hochschulen erforderlich. Das bisherige Zulassungssystem solle beibehalten werden, forderte Svenja Wagner (16, Dormagen) für die PIRATEN. Das Abitur sei nun mal die allgemeine Hochschulreife. Es dürfe niemand bestraft werden, der lange gelernt habe. Aufgrund von Unklarheiten bei der Abstimmung lernten die Jugendlichen hier den Hammelsprung kennen.

Mit dem zweiten Antrag reagierten die Abgeordneten auf den viel beachteten Tweet einer 17-jährigen Schülerin aus Köln, die beklagt hatte, dass in den Schulen kein Alltagswissen vermittelt werde. Der Jugend-Landtag griff dies auf und forderte hier Änderungen. Für die SPD sprach sich Rohat Akcakaya (18, Grevenbroich) für eine Projektwoche an allen weiterführenden Schulen aus, in der Alltagswissen vermittelt wird. Allerdings sollten die Schülerinnen und Schüler die Themen „autonom und mündig“ aussuchen dürfen. Jessica Citrich (19, Gevelsberg) unterstützte für die CDU-Fraktion die Forderung nach einer Projektwoche, die einmal im Jahr stattfinden solle. Allerdings forderte sie für die Schulen einen „verbindlichen Leitfaden“. Auch die GRÜNEN und die FDP forderten eine solche Projektwoche. Maya Stiller (16, Dortmund) hob für die GRÜNEN hervor, dass die Schule auch Grundsteine für das außerschulische Leben legen müsse. Für die FDP sagte Vizepräsident Felix Keune (15, Bad Honnef), zudem solle es an den Grundschulen Unterricht geben, in dem Kinder gesunde Ernährung erlernen könnten. „Steuern und Miete sind nicht alles.“ Nur die PIRATEN sprachen sich für ein eigenständiges Schulfach zur Vermittlung von Alltagswissen aus. Isabeau Lüpkes (19, Leverkusen) sagte, in 90 Minuten pro Woche sollten Schülerinnen und Schülern beispielsweise Kochen, aber auch kleinere handwerkliche Arbeiten lernen.

In der Aktuellen Stunde und einem Eilantrag wurde dann über die Situation von Flüchtlingen in NRW sowie über die völlige rechtliche Gleichstellung von homosexuellen Paaren diskutiert. Ein Eilantrag von SPD, GRÜNEN, FDP und PIRATEN zur sogenannten Homo-Ehe wurde mit großer Mehrheit angenommen.

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Die vom Jugend-Landtag beschlossenen Anträge werden nun an den „echten“ Landtag zur Beratung weitergeleitet.

Für die Abgeordnete Dagmar Hanses, die Sprecherin für Jugend- und Rechtspolitik, nahm Iwan Zimmermann (19) aus Arnsberg teil. Er ist politisch immer sehr engagiert und gründete unter anderem zusammen mit Nico Hartlich die Grüne Jugend in Arnsberg, in der er aktiv mitarbeitet. „Mein Interesse an Politik habe ich meinem Vater zu verdanken“, erzählt Iwan Zimmermann, „zu Hause diskutieren wir immer viel über gesellschaftliche Themen“.

 

Dieser Artikel wurde von unserem Schülerpraktikanten Till Niermann verfasst.

 

 

 

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