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16Jul

Eine realitätsferne “Schnapsidee” von Frau Schröder

Interview mit Dagmar Hanses

Eine realitätsferne “Schnapsidee” von Frau Schröder

12.07.2012

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder möchte das Jugendschutzgesetz ändern: In Zukunft soll es Jugendlichen unter 16 Jahren verboten sein, nach 20 Uhr öffentliche Veranstaltungen mit Alkoholausschank zu besuchen, wenn sie nicht in Begleitung von Eltern oder Erziehungsbeauftragten sind. Dazu drei Fragen an unsere jugendpolitische Sprecherin Dagmar Hanses…

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1.)   Was hältst Du von der geplanten Änderung des Jugendschutzgesetzes?

Gar nichts. Das ist wieder einmal eine realitätsferne „Schnapsidee“ von Frau Schröder. Jugendliche sollen aus meiner Sicht auch nach 20 Uhr noch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können und nicht ausgegrenzt werden. Jugendpolitik hat das Ziel, junge Menschen an Entscheidungen zu beteiligen und Freiräume zu schaffen. Jugendliche auszusperren ist der falsche Weg und geht völlig an ihrem Freizeitverhalten vorbei. Die bisherigen Regelungen im Jugendschutzgesetz sind ausreichend und wir sollten alle auf deren Einhaltung achten – auch im Karneval und auf Schützenfesten.

2.)   Glaubst Du, dass man auf diese Weise dem „Komasaufen“ Jugendlicher entgegenwirken kann?

Das so genannte „Komasaufen“ ist in jedem Einzelfall ein Problem, und wer das unbedingt will, wird sich von einem Verbot nicht abhalten lassen. Aber wir stellen auch fest, dass der Alkoholkonsum von Jugendlichen kontinuierlich sinkt. Alkoholkonsum bis zur Bewusstlosigkeit bei Jugendlichen ist selten, aber dann besonders gefährlich. Doch jedes missbräuchliche Verhalten und besonders jede Suchterkrankung haben immer eine Geschichte im Umfeld der Betroffenen. Deshalb setzen wir auf Prävention, Information und vernetzte Hilfsangebote im Gesundheitsbereich und der Jugendhilfe.

3.)   Was wäre aus Deiner Sicht ein wichtiger Schritt dem problematischen Trinkverhalten einiger Jugendlicher entgegenzuwirken?

Werden wirklich auf allen Veranstaltungen günstige, attraktive Getränke ohne Alkohol angeboten? Entspricht das Freizeitangebot vor Ort den Bedarfen von Jugendlichen?  Mein Vorschlag: Bieten wir Jugendlichen etwas Besseres als Schnaps! Mit der Ausstockung des Kinder- und Jugendförderplans haben wir in NRW die Offene Jugendarbeit, die Jugendverbandsarbeit, die kulturelle Jugendarbeit und die Jugendsozialarbeit gestärkt. Durch Projekte, die auch der Gewaltprävention dienen werden z.B. alkoholfreie Cocktailshakerkurse für Jugendliche finanziert. Ein weiterer Aspekt ist für mich die Vorbildfunktion von Erwachsenen. Nur wenn junge Menschen erleben, dass Erwachsene auch selbst auf Alkohol verzichten können oder reflektiert und mit Bedacht Alkohol trinken, können sie es selbst lernen.

Verfasst am 16.07.2012 um 14:53 Uhr von .
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